Unter den Zuschauern weilte auch eine Vielzahl an Prominenz, unter anderem auch die ehemaligen VfB-Legenden „Mimi“ Hamburger und Karl „Charly“ Martini. Letzterer ist auch beim FC Erzingen unter dem Namen „Dan“ kein unbeschriebenes Blatt, wuchs er doch in Erzingen auf und erlernte beim dortigen FC E das „Fußballer-Handwerk“. Auf Erzinger Seite waren der langjährige Kapitän und Libero Peter Wolfer, sowie vom „jüngeren“ Jahrgang, Sturmtank Andy „Tier“ Gäng anwesend.

Komplettiert wurde das Quartett von Trainer-Urgestein Udo Gabele, der bei beiden Vereinen schon auf der Kommandobrücke stand.

Die Vorzeichen im auf 18.00 Uhr verlegten Spitzenspiel standen gut. Beide Mannschaften konnten fast in Bestbesetzung antreten. Brisant: Die Gastgeber mit Erdal Kizilay, der einige Jahre für den FC E aktiv war, sowie auf Seiten des Teams von Klaus Gallmann, Wasi“ Dimitriardis und Shaban Ljimani, die früher für den VfB ihre Kickschuhe schnürten.

Pünktlich um 18.00 Uhr pfiff Schiedsrichter Luigi Satriano (Zell) die Partie auf dem Kunstrasen im Stadion Schmittenau an und es ging gut los. Bereits nach zwei Minuten setzte der VfB die erste „Duftmarke“. Erdal Kizilay fand gut 20 Meter vor dem Tor für den Ball keinen Abnehmer, zog einfach ab und sein Schuß krachte ans linke Lattenkreuz. Loris Bendel im Erzinger Tor wäre machtlos gewesen. Doch dieser Warnschuß weckte die Klettgauer nicht, sondern der VfB gewann mehr und mehr die Überhand und hatte viele gute Torgelegenheiten. Marjan Jelec (10.) wurde von Kizilay mit einem Paß in die Tiefe mustergültig eingesetzt, scheiterte jedoch am aufmerksamen Loris Bendel, der rechtzeitig aus dem Tor heraus geeilt war. Nur fünf Minuten später versuchte es erneut Kizilay aus der Distanz, doch der Ball streifte nur knapp am linken Pfosten vorbei.

Die Gäste wurden mit zunehmender Spieldauer immer mehr in die eigene Hälfte gedrückt und die Abwehr um Nico Ködel hatte alle Hände voll zu tun. Nur selten gab es Entlastung, aber die hatte es in sich. Felix Uhl (22.) luchste Ibni Jusufi im Mittelfeld den Ball ab und schickte Shaban Ljimani gegen die weit aufgerückte Waldshuter Defensive auf die Reise. Zunächst hängte Ljimani Bora Kaylon ab, ehe er anschließend VfB-Keeper Ceylan aus dem Tor lockte und den Ball zur zu diesem Zeitpunkt schmeichelhaften 1:0-Führung für den FC Erzingen einschob.

Die Antwort der Platzherren ließ nicht lange auf sich warten. Stjepan Kovacevic stieg in der 25.Minute nach einer Ecke am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf zum 1:1-Ausgleich in die Maschen. Diskussionen dann in der 28.Minute: Erdal Kizilay, der einen Super-Tag erwischte, nahm einen Steilpass von Di Girolamo auf und erzielte aus abseitsverdächtiger Position die verdiente 2:1-Führung für den VfB Waldshut. Die heftigen Erzinger Proteste nutzten nichts, Schiri Satriano gab das Tor. Mit 2:1 für für den VfB Waldshut ging es in die Pause.

„VfB-Kameramann“ Tommy Buschle beseitigte in der Halbzeitpause mit einem Video sämtliche Unklarheiten. „Das Tor von Erdal war korrekt, kein Abseits. Es war eine Millimeterentscheidung. Kompliment an Schiri Satriano, das hat er gut gesehen.“

Nach dem Seitenwechsel dann zunächst das gleiche Bild. Der VfB war überlegen, aber in der Folgezeit kamen die Gäste vom Erzinger Kapellenberg immer besser die Partie. Dimitiardis wurde im Mittelfeld immer mehr zum Lenker und riss das Spiel im Stile eines Spielmachers an sich. Unterstützt wurde er dabei von den „Wasserträgern“ Giampi Notarpietro und Felix Uhl, die ihm immer wieder die erkämpften Bälle zuspielten. Diese verteilte „Wasi“ dann auf die schnellen Sturmspitzen Ljimani, Linke und Golic, die immer wieder für Gefahr sorgten. Der Ausgleich war nur eine Frage der Zeit und in der 63.Minute war es dann soweit. Bruno Golic tanzte auf rechten Flügel zwei Abwehrspieler aus, paßte mustergültig in den Rücken der Abwehr in die Mitte und Julian Göbel schob aus acht Metern ein zum 2:2-Ausgleich.

Die Partie verdiente sich nun das Prädikat hochklassig in jeder Hinsicht. Spielkultur, Kampf, Torszenen, Emotionen … alles was das Fußballer-Herz begehrt.

Beide Mannschaften drückten in der Schlußphase nochmals aufs Tempo, beide wollten den Sieg und es gab eine Vielzahl an Chancen auf beiden Seiten. Hektik dann in der 73.Minute. Alberto Di Girolamo wuselte sich durch den Erzinger Strafraum, kam zu Fall und reklamierte vehement einen Strafstoß, doch die Pfeife von Schiri Satriano bleib stumm. Alfredo Di Feo kommentierte diese Aktion auf Italienisch und Di Girolamo fühlte sich provoziert. Es kam zu einer Rudelbildung, einem heftigen Wortwechsel und zu einer Rangelei. Satriano, ebenfalls Italiener, beruhigte die erhitzten Gemüter und löste die Angelegenheit auf seine Art. Er nahm sich die beiden Streithähne zur Brust: „Jungs, wenn ihr Karten spielen wollt, mach ich auch mit. Aber ich teile aus,“ und verwarnte seine beiden Landsmänner.

Zehn Minuten waren noch zu spielen, als es in der Waldshuter Schmittenau dunkel wurde. Ein Biber vom nahe gelegenen Rhein hatte die Stromversorgung lahm gelegt und sowohl Flutlicht als auch die gesamte Beleuchtung auf dem VfB-Gelände waren ausgefallen. VfB-Stromer Martin Weinkötz nahm sich der Sache an und wurde dabei von FCE-Kurzschlusselektriker Guido „Föni“ Indlekofer unterstützt und nach nur 15 Minuten war die Stromversorgung provisorisch wiederhergestellt. Das Flutlicht leuchtete wieder und die Partie konnte fortgesetzt werden.

Und es ging gleich mit Vollgas weiter. Zunächst tauchten erst Golic (81.) und danach Linke (83.) alleine vor dem Waldshuter Tor auf, doch beide scheiterten am glänzend reagierenden VfB-Torhüter Cihan Ceylan. Loris Bendel auf der Gegenseite tat es ihm gleich und kratzte einen Kopfball von Jelec (85.) von der Linie. Nur drei Minuten später hatten die VfB-Anhänger erneut den Torschrei auf den Lippen, doch „Hexer“ Bendel im FC-E Tor, lenkte einen Kizilay-Schuss, der von Ködel noch abgefälscht war, um den Pfosten.

Die Uhr stand auf 20:10 Uhr und die Unterbrechung durch das ausgefallene Fluchtlicht war bereits abgerechnet, als der sehr gut leitende Unparteiische Luigi Satriano, vier Minuten Nachspielzeit anzeigte. Keiner der rund 650 Zuschauer war auch nur ansatzweise gewillt, dieses denkwürdige Fußballspiel eine Minute früher zu verlassen.

Die letzte Minute war angebrochen, als die Gäste aus Erzingen nochmal einen Angriff lancierten. Giampi Notarpietro trieb den Ball nach vorne, spielte kurz vor der Strafraumgrenze mit Felix Uhl einen schulmäßigen Doppelpass und schlenzte den Ball ins rechte, obere Eck – 2:3. Grenzenloser Jubel im Erzinger Lager als Schiri Satriano zur Mitte deutete, das Tor anzeigte und das Spiel unmittelbar danach beendete.

 Klaus Gallmann (Trainer FC Erzingen): „Ein sensationelles Bezirksliga-Spiel auf allerhöchstem Niveau. Die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten. Fünf Tore, viele Torchancen, Kampf, Rasse und Klasse.

Wir wussten, dass der VfB eine starke Mannschaft hat und ein hohes Tempo geht. Die erste Halbzeit gehörte dem VfB, die zweite gehörte uns. Das Spiel hat keinen Verlierer verdient, aber wir waren am Ende effizienter und deshalb haben wir gewonnen.“

Danijel Kovacevic (Trainer VfB Waldshut): „Gratulation an den FC Erzingen. Unsere Devise war, Druck zu machen. Das ist uns bis zur 60.Minute gut gelungen. Danach verloren wir ein wenig die Ordnung und der FC E fand immer besser ins Spiel. Es war wie Klaus schon gesagt hat, ein absolutes Klasse-Spiel von beiden Mannschaften, die wohl besten der Liga. Was die beiden Torhüter heute gezeigt haben, war sagenhaft und überirdisch. Eigentlich brutal, am Ende noch zu verlieren. Heute hat man gesehen, der Weg zur Meisterschaft führt klar über Erzingen und dann nach Waldshut, vielleicht mit Umwegen noch über Herten.“

Karl Martini (ehemaliger Aktivspieler u.a. beim FC E und beim VfB): „Ein super Spiel. Immer ein Genuss, wenn der VfB Waldshut und der FC Erzingen aufeinander treffen. Ich kann mich noch gut an ein Spiel aus den 80-ern erinnern. Wir hatten mit Wolfgang „Knatti“ Kunzelmann, Hansi Gantert, Mimi Hamburger und Harry Runge einige Hochkaräter im Team. Der FC Erzingen, damals unter Spielertrainer Robert Müller war auch gut besetzt. Zunächst führten wir mit 2:0. Danach wendete sich das Blatt, Erzingen glich aus und zog gar auf 2:4 davon. Wir kamen zurück und konnten ausgleichen. In der Schlußminute erzielten wir den 5:4-Siegtreffer. Danach brachen alle Dämme. So ähnlich war es heute, nur mit einem anderen Ende.“

Udo Gabele (Trainer-Ikone): „Was soll man da noch sagen ? Besser geht’s nicht. Toller Offensiv-Fußball von beiden Mannschaften, fünf tolle Tore, Emotionen pur, Hochspannung bis zum Schluß. Das war eine Fußball-Demonstration der ersten Güteklasse, die Schmittenau hat gebebt.“

Autor: Gregor Huber

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